Gedenkstättenfahrt Flossenbürg – Schülertexte
„Obwohl ich Flossenbürg so schnell verließ, wie ich konnte, hat mich Flossenbürg mein Leben lang nicht verlassen.“
– Jack Terry (1930–2022), ehemaliger Häftling des KZ Flossenbürg
Diese Worte von Jack Terry, der als Jugendlicher im KZ Flossenbürg gefangen war, zeigen, wie sehr dieser Ort Menschen ein Leben lang prägt. Am Donnerstag, den 24. September, besuchten die Klassen 10b und 10d die KZ-Gedenkstätte Flossenbürg, am Freitag, den 25. September, folgten die Klassen 10a, 10c und 10e. Anschließend hielten die Schülerinnen und Schüler in Bild und Text fest, was sie besonders berührt hat – eine Auswahl finden Sie hier.
Als „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ wollen wir die Erinnerung an die Opfer wachhalten und uns dafür einsetzen, dass sich so etwas in unserer Geschichte nie wiederholt.
Der Waschraum

Das Bild berührt mich persönlich, weil man noch so viel vom ursprünglichen „Waschraum“ erkennen kann, in dem die Häftlinge nach ihrer Ankunft im KZ systematisch gedemütigt wurden. Noch mehr schockiert mich aber, wie man nach der Befreiung Deutschlands mit dem Raum umgegangen ist. Nach dem Krieg wurde dieser Raum von Mitarbeitern einer Spielzeugfabrik, die in diesem Gebäude untergebracht war, als Pausenraum genutzt. Dadurch hat man nicht nur die schrecklichen Verbrechen ignoriert, die in diesem Raum stattgefunden haben, sondern auch die Menschen, die im Konzentrationslager ihr Leben verloren haben.
Johanna Betz, 10d
Die Kapelle

Ich habe diese Kapelle als Bild ausgewählt, da sie gut zeigt, dass man aus alten, schrecklichen Dingen wie diesen Wachtürmen etwas Neues bauen kann, das den Menschen Hoffnung gibt und mit dem man der Opfer des KZ Flossenbürg gedenken kann. Sie erinnert mich zudem an die Worte eines Menschen, der in diesem KZ eingesperrt war und zur Zwangsarbeit gezwungen wurde. Er betete zu Gott, dass das Einzige, was er wolle, noch einmal genug Brot sei, um richtig satt zu werden – und wenn er das bekäme, dürfe Gott ihn mit den anderen hinrichten.
Pascal Beyer, 10a
Die Kennzeichnung der Häftlinge

Mein Bild stellt die Trennung der Gefangenen dar. Sie wurden im Konzentrationslager zusätzlich mit Kennzeichnungen versehen, an denen man erkennen konnte, weshalb ein Gefangener im KZ war.
Das Bild berührt mich persönlich, da ich dachte, dass alle Gefangenen gleich behandelt wurden und es egal war, warum sie gefangen waren. Das war aber nicht der Fall.
Finn Honig, 10e
Die Standorte der Konzentrationslager

Dieses Bild hat mich bewegt, weil ich erst da realisiert habe, wie viele Lager es in Deutschland gab, in denen Tausende von Menschen gefoltert und getötet wurden. Dort gab es auch einen Bildschirm, der alle Standorte genauer erklärte. Ich habe sogar herausgefunden, dass eines dieser Lager in meinem Nachbardorf war – und dort steht jetzt eine Schule.
Xaver Lang, 10d
Die Umrisse der Baracken

Heutzutage ist es unvorstellbar, was damals an diesem Ort geschehen ist. Doch nun stehen wir hier, genau dort, mitten im Konzentrationslager Flossenbürg, und denken an die schlimmen Dinge zurück, die hier vor langer Zeit passiert sind. Jetzt befinden sich Betonumrisse am Boden, die symbolisch für die Baracken stehen, die damals genau an dieser Stelle standen. Diese waren ursprünglich für 200 bis 250 Gefangene konzipiert, doch zwischenzeitlich mussten sich bis zu 1.000 Menschen eine dieser Hütten teilen. Besonders schockierend finde ich, dass nicht nur eine, sondern 14 bis 18 dieser Unterkünfte – wenn man sie überhaupt so nennen kann – gebaut wurden. Der Umgang mit den Menschen, die dort leben mussten, war so erniedrigend, dass man sich das heute kaum vorstellen kann. Das regt einen schon zum Nachdenken an, denn die Dinge, die dort früher passiert sind, sind so grausam, dass es wichtig ist, die Menschen aufzuklären und der Opfer zu gedenken. Die Verbrechen, die dort begangen wurden, sind unverzeihlich!
Tim Müller, 10a
„Hier haben wir nicht nur die Kleidung verloren, sondern unsere Seele.“

Dieser Satz berührt mich persönlich, da es nur ein paar Worte sind und er trotzdem so viel aussagt. Wie können Menschen nur so grausam und gewalttätig sein? Dieses Leid, die Trauer und die Ungewissheit, ob man morgen noch lebt – das verfolgt die Gefangenen wahrscheinlich tagtäglich, und sie können nichts dagegen tun. Sie warten vergeblich auf eine Rettung, doch es kommt keine. Mit der Zeit verlieren sie den Bezug zu dem, was im Hier und Jetzt passiert, und träumen vielleicht von einem besseren Leben, von besseren Zeiten, in denen jeder unbeschwert und frei leben kann.
Ich finde es erschreckend, mir vorzustellen, dass Menschen jeden Tag mit dieser Angst und Ungewissheit leben mussten. Sie hatten keine Möglichkeit, einfach nach Hause zu gehen oder diesem Leid zu entkommen. Für mich zeigt dieses Bild deshalb nicht nur die Grausamkeit des Lagers, sondern auch, wie wichtig Freiheit und ein Leben in Frieden sind. Es erinnert mich daran, dass wir die Geschichte und die Schicksale der Menschen, die dort leiden mussten, nicht vergessen dürfen.
Lea Messer, 10e
Häftlinge gegen Häftlinge

Das Bild hat mich berührt, weil man sieht, wie Gefangene von ihren eigenen Mithäftlingen, den sogenannten Kapos, misshandelt werden. Manche taten dies in der Hoffnung, so bessere Chancen aufs Überleben zu haben. Für mich zeigt das, wie verzweifelt die Situation war: Letztendlich schien es nur zwei Möglichkeiten zu geben – überleben oder sterben –, selbst wenn die Hoffnung aufs Überleben mit schlechten Taten verbunden war.
Anne Bäumler, 10d
Vanessa Messer












